Deine Kundin bekommt eine Nachricht in derselben App, in der sonst ihre SMS landen. Oben steht dein Logo und dein Name, daneben ein Häkchen, darunter ihr Termin am Donnerstag um 15 Uhr und zwei Knöpfe: „Passt" und „In Kalender eintragen". Das ist RCS Business Messaging, und so sieht es aus, wenn ein Betrieb es nutzt.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Leitfadens zu RCS-Nachrichten.
Was ist RCS Business Messaging?
Der Teil von RCS, über den Unternehmen ihren Kunden schreiben. Die Nachricht landet in der vorinstallierten Nachrichten-App, eine eigene App braucht der Kunde nicht. Google nennt das Angebot inzwischen RCS for Business. Anbieter und Netzbetreiber nutzen oft weiter den alten Namen RCS Business Messaging oder die Abkürzung RBM.
Die Telekom hat RCS Business Messaging im Januar 2022 für ganz Europa angekündigt, bereitgestellt von Google. In ihrer Mitteilung dazu schreibt die Telekom, dass sie alle Unternehmen verifiziert, die ihren Kundinnen und Kunden Nachrichten schicken. Auf ihrer Produktseite nennt sie verifizierten Absender, eigenes Corporate Design, Karten, Karussell und Schnellantworten.
Ein deutsches Beispiel aus dem Handel: Der Großhändler METRO verschickt laut teltarif seit Frühjahr 2025 Angebote und Prospekte per RCS an registrierte Geschäftskunden und hat dafür seinen bisherigen WhatsApp-Kanal ersetzt. Beteiligt sind Google, Telekom, Vodafone, O2 und der Anbieter LINK Mobility.
Was kann eine RCS-Nachricht von Unternehmen?
Mehr als eine SMS, weniger als eine App. Die Grenzen stehen in Googles API-Referenz:
- Text bis 3.072 Zeichen, dazu Bilder, Videos, GIFs oder PDFs
- Einzelne Karten mit Bild, Titel und Beschreibung, oder ein Karussell aus 2 bis 10 Karten
- Bis zu 11 Antwortvorschläge unter einer Nachricht, je höchstens 25 Zeichen
- Fünf Aktionen: anrufen, Ort in der Karte zeigen, Termin in den Kalender eintragen, Link öffnen, eigenen Standort teilen
Für ein Termingeschäft ist die Kalender-Aktion die interessanteste. Ein Tipp öffnet die Kalender-App des Kunden mit Titel, Beginn und Ende schon ausgefüllt. Was fehlt, ist ein Wähler für Datum und Uhrzeit. Wer per RCS einen neuen Termin vergeben will, muss freie Zeiten als Knöpfe anbieten, als Karten im Karussell zeigen, auf eine Buchungsseite verlinken oder die frei getippte Antwort des Kunden auswerten.
Nicht jede Funktion erscheint überall gleich. Google führt in seinen Änderungshinweisen Neuerungen wie dauerhaft sichtbare Knöpfe, die nur Google Messages anzeigt, iPhones und Samsung-Handys dagegen nicht.
Wie kommt ein Betrieb an RCS Business Messaging?
Über eine Freigabe, die ein registrierter Partner beantragt. Das läuft in Schritten:
- Ein Absender wird angelegt, bei Google Agent genannt, mit Name, Logo und einem Anwendungsfall.
- Der Betrieb nennt eine Ansprechperson mit eigener E-Mail-Adresse, keinen Verteiler. Sie bestätigt, dass der Partner den Absender für den Betrieb führen darf.
- Der Partner beantragt den Start. Dafür braucht es laut Google eine funktionierende Website, Links zu Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen und eine genaue Beschreibung, was die Nachrichten auslöst, wie das Gespräch verläuft und wie die Abmeldung funktioniert.
- Google prüft, die Netzbetreiber prüfen, oder beide. Läuft die Prüfung über Google, dauert sie 1 bis 3 Werktage, wenn die Ansprechperson innerhalb von 24 Stunden antwortet. Netze mit eigenem Verfahren verlangen vorher einen direkten Vertrag mit dem Partner.
Nach der Freigabe ist der Absender laut Google nach etwa 30 Minuten erreichbar und trägt in Google Messages ein Häkchen. Für einen kleinen Betrieb heißt das: Der Weg führt über einen Anbieter, der die Verträge mit den Netzen schon hat, etwa die Telekom selbst oder einen SMS-Dienstleister mit RCS im Angebot.
Wofür dürfen Unternehmen RCS nutzen?
Für das, was sie bei der Freigabe angeben. Google unterscheidet vier Anwendungsfälle:
| Anwendungsfall | Wofür | Was nicht erlaubt ist |
|---|---|---|
| Einmalpasswörter | Login-Codes, Passwort zurücksetzen | Produktinfos, Angebote |
| Transaktion | Bestätigungen, Updates und Feedback-Anfragen zu einer bestehenden Leistung | Angebote, Rabatte |
| Werbung | Angebote, Rabatte, erinnern an einen abgebrochenen Kauf | Einmalpasswörter, zeitkritische Infos |
| Mehrfachnutzung | Transaktion und Werbung in einem Gespräch | reine Transaktion oder reine Werbung |
Terminbestätigungen und Terminänderungen nennt Google ausdrücklich als Transaktion. Terminerinnerungen tauchen als Beispiel bei der Mehrfachnutzung auf. Für Deutschland gilt eine Sonderregel: Ein Absender für Mehrfachnutzung darf mit nur einem aktiven Anwendungsfall starten, muss den zweiten aber innerhalb von sechs Monaten nachweisen.
Für alle Fälle gilt: Der Absender muss das Wort STOP verstehen, die Abmeldung bestätigen und danach schweigen. Die Telekom weist in ihren Hinweisen für kleine Betriebe außerdem darauf hin, dass eine rechtssichere Einwilligung Pflicht ist, und rät, Kunden bei Bedarf SMS oder E-Mail als Alternative anzubieten.
Was kostet RCS Business Messaging in Deutschland?
Pro Nachricht, und die Netzbetreiber legen die Preise fest. In der Preisliste von BulkGate kostet eine einfache Textnachricht zwischen 3,63 Cent bei O2 und 6,61 Cent bei 1&1, netto. Nachrichten mit Bildern oder Knöpfen liegen bei 5,78 bis 6,61 Cent. Welche Nachrichtentypen es gibt, wie Gespräche abgerechnet werden und wie das zu SMS und WhatsApp passt, steht im Beitrag RCS-Chat Kosten.
Kommt RCS Business Messaging bei allen Kunden an?
Nein. Das Handy des Kunden muss RCS können, und dein Absender muss in seinem Netz freigeschaltet sein. Auf dem iPhone braucht es iOS 18 und einen Anbieter, der RCS auf dem iPhone unterstützt. Laut Apple können Unternehmen dort Benachrichtigungen etwa zu Bestellungen per RCS schicken, und Kunden können diese Nachrichten in den Einstellungen getrennt abschalten.
Kann ein Handy die Nachricht nicht empfangen, meldet Googles Plattform einen Fehler, und der Absender soll laut Google auf einen anderen Weg wie die SMS ausweichen. Ist das Handy nur gerade aus, hält Google die Nachricht bis zu 31 Tage vor und stellt sie zu, sobald es wieder online ist.
Wie sich RCS gegen WhatsApp schlägt, wenn Kunden selbst schreiben wollen, zeigt der Vergleich RCS vs. WhatsApp.
Häufige Fragen zu RCS Business Messaging
Ist RCS Business Messaging Ende-zu-Ende-verschlüsselt?
Nein. Laut Google sind die Nachrichten auf dem Weg zum Google-Server und von dort zum Handy verschlüsselt. Ende-zu-Ende geht es nicht, weil Google Nachrichten von Unternehmen auf Schadinhalte prüft, und Absender können keine eigenen Schlüssel verwenden.
Können Kunden einem Unternehmen per RCS zuerst schreiben?
Nur über einen speziellen Link oder QR-Code, den das Unternehmen auf seiner Website, in einer E-Mail oder im Laden zeigt. Laut Google funktioniert das nur mit Google Messages, mit aktiviertem RCS und wenn der Absender im Netz des Kunden freigeschaltet ist. Sonst landet der Kunde bei einer hinterlegten Ersatznummer oder bekommt eine Fehlermeldung.
Was ist der Unterschied zwischen RCS Business Messaging und RCS for Business?
Keiner, es ist dasselbe Angebot. Google hat es umbenannt und spricht heute von RCS for Business. Anbieter und Netzbetreiber nutzen oft weiter den alten Namen RCS Business Messaging oder die Abkürzung RBM.
Brauche ich für RCS Business Messaging eine eigene Software?
Für den Versand einen Anbieter, für sinnvolle Inhalte ein System, das deine Termine kennt. Die Nachricht wird ausgelöst durch ein Ereignis wie eine Buchung oder einen anstehenden Termin, und die Antwort des Kunden muss irgendwo ankommen und verarbeitet werden. Bei Terminerinnerungen ist das der Kalender, aus dem die automatischen Erinnerungen entstehen.
